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Wedekind - Mode um 1900

Das Teilprojekt "Kleidung und Mode um 1900: Frank Wedekinds „Frühlings Erwachen“wurde von Magdalena Wagner für die Jahrgangsstufe 9 (Deutsch) konzipiert. Bei Exkursionen wurde Frau Wagner teilweise von den Tutorinnen aus der Kunstgeschichte und Ethnologie unterstützt.

Inhaltliche Einbettung und Zielsetzung

Bei diesem Unterrichtsthema bietet sich der Zugriff über Kleidung und Mode an, denn an diesem Drama zeigen sich besonders gut die starren Moralvorstellungen der deutschen Gesellschaft im Kaiserreich, die sich eben auch in der Kleidung widerspiegeln. In Frühlings Erwachen wird gezeigt, wie sich mehrere Jugendliche mit ihrer Sexualität auseinandersetzen, in einer Gesellschaft, in der Körperlichkeit ein Tabu-Thema ist. So kommt es im Verlauf des Dramas zu einer ungewollten Schwangerschaft und zu Selbstmord als Folge unterdrückter Sexualität. Gerade diese Moralvorstellungen, die ein Sprechen über Körperlichkeit nicht erlauben, lassen sich in der Kleidung der Jahrhundertwende wieder finden. Männliche Kleidung um 1900 war geprägt durch besondere Schlichtheit, einen Hang zur Uniformität, und Gradlinigkeit. Sie war bürgerliche Berufskleidung, während weibliche Kleidung ganz klar Kleidung des ‚Müßiggangs’ und des Heims war, da sie die Bewegungsfreiheit der Frau sehr einschränkte. Bei den Frauen wurden im ausgehenden 19. Jahrhundert die Geschlechtsmerkmale stärker betont, unter anderem durch feste Korsette. Die weibliche Kleidung war allgemein viel bunter, abwechslungsreicher und luxuriöser, denn die Kleidung der Ehefrau war eben auch Statusobjekt für den Mann. Eine Gegenströmung zu diesen Tendenzen in der weiblichen Kleidung war die so genannte Reformkleidung. Hier sollte der Körper nicht in starre Formen gepresst werden: Frauen sollten also kein Korsett tragen müssen. Diese Gegenströmung, die den weiblichen Körper in seinen natürlichen Formen erhalten wollte, fand ihren Höhepunkt um 1900. Weibliche Kleidung des ausgehenden 19. Jahrhunderts war auch geprägt durch eine Art Doppelmoral: Auf der einen Seite sollte züchtige Kleidung so viel wie möglich vom weiblichen Körper verdecken, auf der anderen Seite gab es genügend Gelegenheiten doch Teile des Körpers zu enthüllen (z. B. beim Heben des Rocks das Bein zeigen, das Dekollete und die Arme beim Ball etc.). Frauenkleidung presste den weiblichen Körper also ganz klar in starre Formen, die gleichzeitig verhüllten und enthüllten. Schon diese Merkmale der Erwachsenen-Kleidung sprechen dafür, dass Körperlichkeit und Sexualität in der Gesellschaft nur unterdrückt wichtig waren. Auch die Einführung von Kinderkleidung um die Jahrhundertwende (z. B. der Matrosenanzug) führt in diese Richtung: Mit spezieller Kinderkleidung wurden Kinder und Jugendlich noch mehr zu asexuellen Wesen stilisiert. Gerade bei Jugendlichen konnte dies zu schweren Problemen führen, wie uns Wedekinds Frühlings Erwachen zeigt. Denn hier führt das Nicht-Sprechen über Sexualität zu schweren Störungen in der Identitätsfindung der jungen Erwachsenen.
Für Schüler ist das Drama schon aus dem Grunde interessant, da es sich bei den Protagonisten um Jugendliche ihres Alters handelt und die behandelten Themen, wie Sexualität und Kleidungsstile, auch in ihrem Leben eine große Rolle spielen. Hier mit dem Projekt Kleidung und Mode anzusetzen, bietet sich auch deshalb an, weil Kleidung und Mode in der Definition der eigenen Sexualität ja auch heute noch eine entscheidende Rolle spielen.

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